Veröffentlicht am 22.2.2015

Logbuch Limfjord ist ein Rückblick auf einen äußerst beeindruckenden Segeltörn im August 2014. Die Reiseroute war im Grunde ein Rundkurs um Dänemark herum. Um ehrlich zu sein nahmen wir allerdings nicht den weiten Weg und rundeten Skagen, sondern kürzten durch den wunderschönen Limfjord im Norden von Dänemark ab. Der Start- und Zielpunkt war Rostock. Im Uhrzeigersinn segelten wir von dort nach Heiligenhafen und Kiel, fuhren durch den Nord-Ostsee-Kanal, bogen in die Eider ab und besichtigten Friedrichstadt. Bei Tönning erreichten wir die Nordsee. Nächster Halt war dann die Insel Amrum. Von dort aus ging es – vorbei an Sylt – in die dänischen Nordseegewässer nach Thyborøn. Den Limfjord durchsegelten wir in nur drei Tagen, machten Halt in Struer, Amtoft und Ålborg. Von dort aus ging es nochmal in sehr langen Törns zur kleinen Ostseeinsel Anholt und in dänische Hauptstadt Kopenhagen.

Bereits veröffentlichte Artikel:
Logbuch Limfjord – Rostock, Heiligenhafen, Kiel
Logbuch Limfjord – Kiel, Büdelsdorf, Friedrichstadt

Von Friedrichstadt nach Wittdün, Amrum (11:44h, 60,0sm)
Die ehemalige Holländerstadt namens Friedrichstadt verließen wir gegen 9 Uhr. Durch die Schleuse ging es problemlos. Der Wasserpegel war aufgrund der Tide auf beiden Seiten der Schleusentore auf identischem Niveau. Wir fuhren mit Motor die restlichen Seemeilen auf der Eider flussabwärts. Es wurden eine Eisenbahn- und eine Straßenbrücke passiert. Hatten wir beim Ablegen noch Bilderbuchwetter, so zog es sich immer zu und kurz vor dem Erreichen der Nordsee bekamen wir einen ersten Eindruck, was uns die nächsten Tage erwarten würde. Aufgrund des Windes hatten wir einige Probleme in der Schleuse des Eidersperrweks. Das Sperrwerkt dient zum Schutz vor Sturmfluten und ist das größte deutsche Küstenschutzbauwerk.

Nach Verlassen der Schleuse im Sperrwerk segelten wir mit gerefftem Vorsegel und zwei Reffs im Großsegel durch das Wattgebiet der Eidermündung. Wir kamen sehr zügig vorran und segelten vorbei an St. Peter Ording. Unterwegs hatten wir noch einen kurzen Besuch eines Seehundes.

Ziel des Tages war der Hafen von Wittdün auf der Insel Amrum. Einige Seemeilen vor dem Ziel wurde die Sicht immer schlechter. Unter Platzregen und bei Niedrigwasser wurden die Bedingungen immer schlechter. Da wir am Fähranleger von Wittdün zuviel Platz lassen wollten, sitzen wir wenige Sekunden auf Grund. Das Fahrwasser ist hier kaum gekennzeichnet. Noch am Abend zuvor versicherte man uns in einem Telefonat, dass ein Erreichen des Hafen auch bei Ebbe kein Problem sein sollte. Jeder Versuch das Schiff freizubekommen scheiterte und so blieb nur noch der Weg ans Funkgerät um Hilfe zu rufen.

Wenige Minuten später kam auch schon die Rettung in Form des Beibootes des Seenotkreuzers Vormann Leiss von der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS). Die DGzRS finanziert sich übrigens ausschließlich über Spendengelder. Die Seenotretter hatten wenig Probleme uns frei zu ziehen und eskortierten uns sicher in den Hafen, wo wir aufgrund der geringen Tiefe erst einmal am dort liegenden Tonnenlegerschiff fest machten. Ein paar Stunden später verholten wir das Boot dann an den eigentlichen Steg des Yachthafen Wittdün. Dies war um 22:30 Uhr. Trotz des erlebnisreichen und anstrengenden konnte man nur schlecht schlafen. Über die Insel zog ein gewaltiges Gewitter, welches für sehr unruhige Bedingungen sorgte.

Für die nächsten Tage war die Wetterprognose sehr schlecht. Dies verdonnerte uns zum Verbleib auf der Insel Amrum. Wir machten u.a. eine Inselrundfahrt und eine kleine Wanderung in die Dünen. Weiterhin fegte ein Gewitter nach dem anderen über Amrum hinweg.

Von Wittdün, Amrum nach Thyborøn (27:59h, 164,5sm)
Da uns mittlerweile die Zeit im Nacken saß, entschlossen wir am dritten Tag seit der Ankunft in Wittdün auf Amrum unseren Segeltörn fortzusetzen. Bei nicht idealen aber hinnehmbaren Wind- und Wetterbedingungen verließen wir um 15 Uhr mit dem auslaufenden Strom den Hafen von Wittdün. Diesmal gab es keinerlei Grundberührungen. Nach der Hafenansteuerung mussten wir allerdings direkt gegen den Wind ran.

Unter Motor und bei aufgewühlter See sorgte das für viel Unruhe im Schiff. Meine Wenigkeit fütterte die Fische und bereits jetzt hatten wir Windspitzen von bis zu 40 Knoten. Am späten Abend passierten wir die Wendetonne und drehten auf einen nördlichen Kurs Richtung Dänemark. Die Bedingungen wurden von Stunde zu Stunde schlechter. In der Nacht hatten wir mit Sturmböen, Gewitter und Platzregen zu kämpfen. Wir haben nur das Großsegel gesetzt und erreichten trotzdem im Durschnitt eine Geschwindigkeit von sieben Knoten. Am nächsten Morgen war der Wind noch immer sehr stark, aber es schien größtenteils die Sonne. Dennoch hatten wir Pech und nahmen die eine oder andere Regenwolke mit. Auch diesmal müssen wir unter Platzregen unseren Liegeplatz ansteuern.

Nach fast 28 Stunden Non-Stop Fahrt und 164,5 Seemeilen im Kielwasser erreichen wir mit Thyborøn unser Etappenziel. Der vom Fischfang geprägte Ort ist der westliche Zugang zum Limfjord in Nord-Dänemark.

Von Thyborøn nach Struer (5:08h, 25sm)
Nachdem alle den Schlaf nachgeholt haben – immerhin wurde die vorherige Nacht und der Tag durchgesegelt – starteten wir die Weiterfahrt um halb 12. Wir sind alle sehr froh über die guten Segelbedingungen im Limfjord. Der Wind bläst zwar immer noch sehr kräftig, aber die geringe Welle sorgt für eine angenehme Überfahrt nach Struer. Aufgrund der kurzen Überfahrt von nur 5 Stunden machen wir noch eine kleine Fahrradtour durch den kleinen dänischen Ort. Auf dem Parkplatz des Yachthafen findet auch noch ein kleines Oldtimertreffen statt.