Veröffentlicht am 24.1.2014

Auf dem einem Bild ist ein Mann zu sehen. Vielleicht zwischen ist 40 oder 50 Jahre alt, oder auch noch älter. In seiner rechten Hand eine Flasche – vermutlich eine Bierflasche. Er trägt einen Cowboyhut und steht in einer Kneipe mit Billardtischen. Zwischen seinen Beinen guckt ein kleiner Hund hervor. Das Bild hat den Untertitel „Ty. Cowboy. Marfa, TX“. Auf dem anderen Bild sehen wir eine leicht bekleidete Frau. Sie sitze auf einem Stuhl in einem Umkleidezimmer – irgendwo im Keller eines Stripclubs wie es scheint. An den Rohren unter der Decke hängen Schuhe. In der Ecke liegt eine rosa Gitarre. An der Wand hängen beschriebene Blätter und ein paar Polaroids. Das Bild hat den Untertitel „Viva Las Vegas. Dancer/Author. Portland, OR“.

Christoph von jeriko.de hatte den Amerikaner Roger Kisby kürzlich vorgestellt. Er begann seinen Beitrag mit der Frage „Was ist es, dass uns an Portraits so fasziniert? „. Jeder wird auf diese Frage vielleicht eine andere Antwort haben. Für manche ist es sicherlich irgendwo auch die Schönheit an einem Menschen. Doch Schönheit ist ja nie nur visuell und optisch greifbar. Es ist stets ein Zusammenspiel aus verschiedenen Faktoren. Für viele und auch für mich liegt die Faszination eines Portraits in der Geschichte dahinter. Eine Geschichte die in vielerlei Hinsicht anders interpretiert sein kann. Ein gutes Portrait lässt mehrere Sichtweisen zu. Es führt zum Kopfkino und zum Anregen der eigenen Fantasie. Sie wird beeinflusst von eigenen Erlebnissen, Erfahrungen, Geschichten, Filmen und anderen Bildern.

Roger Kisby fuhr für seine Fotostrecke „Cross Country“ quer durch das Land und portraitierte jeden Tag einen Menschen. Er schafft Portraits die zum Nachdenken anregen. Sie erzählen Geschichten. Geschichten, die schnell zum Schubladendenken führen. Da wir die abgebildete Person vermutlich nie selbst treffen, schaffen wir eine eigene Welt. Da wird der Cowboy mit Bierflasche schnell zum Alkoholiker. Die leicht bekleidete Tänzerin schnell zur billigen Stripteasetänzerin ohne Zukunft. Die wahre Lebensgeschichte bleibt im Verborgenen. Aber ist es nicht genau das, warum die Fotografie derart faszinierend ist?

Weitere Arbeiten von Roger Kisby findet ihr auf seiner Internetseite. Bei Twitter, Instagram und tumblr ist er auch vertreten.

© Roger Kisby / via Jeriko